Sprache macht noch keine Kommunikation – über Trigger, Projektion und Spiegeln

Irgendwas läuft da draußen gewaltig schief. Ich habe den Eindruck die Menschen haben es verlernt sinnvoll und wertschätzend miteinander zu kommunizieren. Sicherlich gibt es auch einige Spezialistinnen und Spezialisten, die meinen zu kommunizieren, tun es aber so gar nicht, sondern agieren ohne Reflektion auf Ihre Umwelt und belasten andere Menschen mit Ihren eigenen Unzulänglichkeiten und Unsicherheiten durch passiv aggressive Gesprächsführung oder permanenter Projektion. Selbst die Grundformen von höflichem Verhalten, wie beispielsweise andere aussprechen lassen, fallen so mancher Person offensichtlich schwer. Entweder wurde es nicht erlernt, oder aber jemand nimmt sich selbst ein wenig zu wichtig. Mir begegnet in letzter Zeit meist die zweite Kategorie.
All zu schnell werden Gespräche durch angebliches Wissen und festgefahrene Meinungen vergiftet und im Keim erstickt. Dabei ist Kommunikation das Instrument, welches dafür sorgt, dass die Menschheit sich weiter entwickelt, ohne Kommunikation keine Wissenschaft, keine Politik, Beziehungen, schlicht keine Gesellschaft wie wir sie heute kennen und nutzen.

„Die größten menschlichen Errungenschaften sind durch Kommunikation zustande gekommen – die schlimmsten Fehler, weil nicht miteinander geredet wurde.“
(Stephen Hawking)

Warum ist es nun für einige Individuen der menschlichen Spezies so schwer, sinnvoll zu kommunizieren? Nun schauen wir zunächst auf die allgemeine Definition von Kommunikation um uns dem Thema zu nähern.

Kommunikation: lat. communicatio „Mitteilung“ ist der Austausch oder die Übertragung von Informationen.
Information ist die zusammenfassende Bezeichnung für Wissen, Erkenntnisse, Erfahrung oder Empathie. Austausch ist das gegenseitige Geben und Nehmen von Informationen. Bei der Übertragung handelt sich um eine Beschreibung dafür, dass Distanzen überwunden werden. Gedanken, Vorstellungen und Meinungen verlassen das eine Individuum und gelangen in ein anderes.
Die reine Kommunikation ist sehr befruchtend aus ihr entsteht Neues, sie festigt bereits für sinnvoll Erachtetes und sorgt bei den meisten Menschen für ein Gefühl von Zugehörigkeit.

„Die Kunst richtig miteinander zu kommunizieren ist wie laufen lernen man fällt so oft auf die Nase bis man liebevoll an der Hand genommen wird.“
(Wilma Eudenbach)

Leider ist zu beobachten, dass Kommunikation fernab von Whats´App, Twitter, Instagram oder Facebook so manch einer Person schwer fällt. Die spontane Reaktion auf Gesagtes und der sofortige Umgang mit Informationen scheint vielen Menschen ab zu gehen.
Oftmals Argumentieren Menschen aus Ihren persönlichen Erfahrungen heraus. Sie legen diese über die Gesprächssituation und hören nur noch die Dinge die zu Ihrem inneren Gefühl passen. Das führt meist dazu, dass die Kommunikation scheitert und keine belastbaren Ergebnisse möglich sind.
Doch wie schaffen wir es Gespräche so zu gestalten, dass am Ende alle zufrieden aus dem Gespräch gehen und sich bereichert fühlen?

Zum Einen ist es sicherlich immer sinnvoll gewaltfrei zu Kommunizieren. Der bekannteste Verfechter dieser Kommunikationsart ist ihr Erfinder, Marshall B. Rosenberg. Jedoch will ich ehrlich sein, es ist schon sehr schwierig gewaltfreie Kommunikation mit Menschen zu praktizieren, die aus einem Trigger heraus wild um sich schlagen.

„Es sind nie die Tatsachen die uns beunruhigen und ärgern, es sind immer unsere eigenen Bewertungen.“
(Marshall B. Rosenberg)

Gewaltfreie Kommunikation setzt sowohl Empathie für das Gegenüber als auch für das eigene Ich voraus. Dazu gehört das ich meinem Gegenüber zuhöre, aber auch meinen eigenen Gefühlen.
Und wenn ich es jetzt geschafft habe, immerhin schon auf meine eigenen Bedürfnisse in einer Kommunikationssituation zu hören, wie schaffe ich es dann im Gespräch meinem Gegenüber die Sicherheit zu geben, die Blickwinkelbrille wieder abzusetzen?

Einen Möglichen Ansatz den ich seit kurzer Zeit ausprobiere ist das Spiegeln.
Es ist ja nicht so, dass mir dieses Instrument in der Kommunikation fremd war, doch ich muss auch gestehen, dass ich es meist unbewusst verwandte.  Und dann hatte ich diese grandiose Fortbildung zu Entwicklungspsychologischen Kompetenzen, bei dieser beeindruckenden Frau Wiebke Anton und was soll ich sagen „Heureka“!
Zurück zur Kommunikation.
Was passiert denn in einem Gespräch, wenn ich die Äußerungen meines Gegenübers Spiegel und wie genau funktioniert das denn?
Nun nehmen wir beispielsweise ein Gespräch auf der Paarebene. Allzu oft enden diese Gespräche im Streit. Beide Partner sind unzufrieden und gehen verletzt und vielleicht traurig und wütend auseinander. Der Lebensgefährte oder die Lebensgefährtin stehen uns ja meist sehr Nahe. Hier erhoffen wir uns Sicherheit und Geborgenheit. Wir wollen uns hier im besten Fall anerkannt und wertgeschätzt fühlen. Das heißt unser Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit und Anerkennung soll hier befriedigt werden. Wenn ich mich jetzt aber aufgrund eines Glaubenssatzes oder aufgrund gemachter Erfahrungen schlecht fühle und eine Äußerung meines Gegenübers triggert mich an, mache ich entweder zu oder ich starte einen Gegenangriff. Wenn das passiert ist die Kommunikation gescheitert und sollte beendet werden, bis beide Partner sich wieder gefangen haben und sich sicher fühlen. Wie kann aber so ein frustrierender Gesprächsverlauf  vermieden werden. Nun zunächst ist es sicherlich gut, zu zuhören. Zuhören heißt dabei nicht, einen Monolog über sich ergehen zu lassen. Aktives zuhören beinhaltet auch das nachfragen, wenn etwas unklar ist.
Und hier liegt das „Geheimnis“.
Aber Achtung, Formulierungen wie -Du hast gesagt, dass… und damit einhergehend, du meintest sicher, dies oder jenes…- sind absolut kontraproduktiv, weil sie nicht emphatisch sind. Auch Forderungen wie: du musst doch dies oder das…, oder Verantwortung für die eigenen Gefühle zu projizieren durch Sätze wie: „Wegen deiner Äußerung, fühle ich mich jetzt…“ sind absolut kontraproduktiv und auch ziemlich unfair.
Zurück zum Geheimnis des Spiegelns:
Wenn ich in einem Gespräch allerdings, den genauen Wortlaut der Äußerung meines Gegenübers wiederhole und nachfrage ob ich sie oder ihn richtig verstanden habe, dann kommt es selten zu Missverständnissen. Weil jede Person die Möglichkeit hat Unklarheiten zu bereinigen, aber auch noch mal zu fühlen wie fühlt sich denn die Äußerung eigentlich an, wenn ich die höre. Dies erzeugt Empathie. Und Empathie ist eine der Grundvoraussetzungen für eine gewaltfreie Kommunikation. Weiterhin fühlt die Person sich anerkannt und wertgeschätzt weil sie durch das spiegeln erfährt, dass ihr zugehört wird. Das im Idealfall genau das gehört wird, was auch gesagt werden wollte.
Was kann ich tun wenn ich getriggert werde durch eben nicht gewaltfreie Kommunikation meines Gegenübers?
Nun ich habe in meinen vorangegangenen Artikeln ja schon über Glaubenssätze und die Angst vor dem eigenen ich geschrieben.
Es ist gut sich der eigenen Gefühle bewusst zu sein.
In der Geschichte eines jeden Menschen gibt es Bedürfnisse die nicht gut befriedigt wurden. Es gibt Gefühle wie Schuld und Scham. Das Gefühl nicht gesehen zu werden, oder für etwas die Verantwortung zu bekommen, was nicht zu verantworten ist.
Es ist gut die eigene Gefühlsgeschichte zu kennen, zu lernen die eigenen Gefühle zu deuten, um zu erkennen „ist es gerade mein Gefühl was ich hier spüre oder projiziert jemand sein Gefühl auf mich?“ und weiterhin zu wissen „was brauche ich denn wenn ich mich nicht gesehen fühle?“ Was kann ich dazu beitragen, dass mein Bedürfnis befriedigt wird.
Und wenn ein Trigger ausgelöst wird, dann hinfühlen und sich selbst die Frage stellen. „Worum geht´s bei diesem Gefühl?“ Kann der Trigger nicht gehalten und weggeatmet werden, trotz spiegeln und nachfragen, weil die Ursache noch nicht erfasst wurde, oder es gar nicht das eigene Gefühl ist, ist es immer eine gute Möglichkeit das Gespräch freundlich zu beenden um erstmal klar zu kommen, oder dem Gegenüber diese Chance einzuräumen. Ein „Entschuldige, mir geht es  mit diesem Gespräch gerade nicht gut. Ich merke das ich nicht konstruktiv und sachlich bin und möchte bitten, dieses Gespräch zu einem anderen Zeitpunkt fortzuführen.“
Du entscheidest, welchen Situationen du dich aussetzen möchtest. Die eigene Gefühlsebene ist ein guter Wegweiser. Wie ein innerer Kompass, der uns dabei hilft, unsere Lebenswirklichkeit zu deuten und zu verstehen. Viele Menschen nennen dies auch Intuition oder sagen, da höre ich auf mein Bauchgefühl. Durch Kommunikation teilen wir unsere Lebenswirklichkeit mit anderen Menschen.
Höre auf deine Gefühle und verarbeite Sie mit deiner kognitiven Fähigkeit zu differenzieren und gestehe anderen Menschen das gleiche Recht zu. Sieh, höre und fühle was um dich herum geschiet.
Es ist ein Prozess sich selbst zu verstehen. Ich denke jedoch, wenn du dich selbst nicht verstehst, dann ist es gleichwohl schwerer andere zu verstehen.
In diesem Sinne viel Erfolg beim kommunizieren!

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